Kann die Säuglingsnahrung das Risiko für Neurodermitis beeinflussen?
Die Studie mit mehr als 2.100 Säuglingen zeigte, dass die Ernährung mit Säuglingsmilchnahrung auf Basis von Ziegenvollmilch (WGF) das Auftreten einer ärztlich diagnostizierten atopischen Dermatitis (AD), auch als Ekzem bekannt, um 34 Prozent senken kann.
Die in der Fachzeitschrift "Clinical Nutrition" (1) publizierte GIraFFE-Studie (Goat Infant Formula Feeding and Eczema) wurde von einem Team der Ludwig-Maximilians-Universität München koordiniert. Es zeigte sich auch, dass bei Säuglingen mit AD in der Familienanamnese die Fütterung mit WGF-Säuglingsnahrung das Risiko einer ärztlich diagnostizierten AD bis zum Alter von einem Jahr um 64 Prozent senkte, verglichen mit Standard-Kuhmilchnahrung (CF). Die Anzahl der AD-Diagnosen, die ausschließlich bei drei Studienbesuchen im Säuglingsalter gestellt wurden, war geringer und wurde durch die Wahl der Säuglingsnahrung nicht beeinflusst.
Präventiver Effekt bei Ziegenvollmilch erkennbar
Die optimale Ernährungsform für Säuglinge ist das Stillen. Die überwiegende Anzahl von Säuglingen erhält jedoch im Laufe des ersten Lebensjahres zusätzlich zum Stillen oder stattdessen Flaschennahrung. Die vorliegende Studie kommt zu dem Schluss, dass Säuglingsnahrung auf Basis von Ziegenvollmilch einen präventiven Effekt auf die Entwicklung von Ekzemen bei Säuglingen mit einer familiären Disposition für diese Erkrankung aufweisen kann.
Geleitet wurde die Studie von Prof. Berthold Koletzko am Dr. von Haunerschen Kinderspital des LMU Klinikums. „Die vorliegenden Ergebnisse sind praktisch wichtig, denn Ekzeme sind eine chronische Erkrankung, die für die betroffenen Kinder und ihre Familien eine erhebliche Belastung darstellt“, sagt Koletzko. „Eine atopische Dermatitis mit chronischem Juckreiz kann die Entwicklung des Kindes, den Schlaf und die Lebensqualität des Kindes und der ganzen Familie stark beeinträchtigen."
Kinder werden fünf Jahre wissenschaftlich begleitet
AD stellt eine häufige Hauterkrankung dar, von der global etwa 15 Prozent der Kinder betroffen sind und die in den meisten Fällen im ersten Lebensjahr auftritt (2). Die Symptome umfassen trockene, juckende und entzündete Haut. Häufig markiert sie den Beginn des sogenannten "atopischen Marsches", mit nachfolgendem Auftreten von Nahrungsmittelallergien, Asthma und Heuschnupfen im späteren Kindes- und Erwachsenenalter“, sagt Prof. Koletzko. Die direkten und indirekten Kosten von AD werden in Europa auf 30 Milliarden Euro pro Jahr taxiert (3).
Die GIraFFE-Studie zeigt, dass es eine wissenschaftlich gesicherte Möglichkeit gibt, Ekzemen bei mit Säuglingsnahrung ernährten Säuglingen vorzubeugen. Die GIraFFE-Studie wird die teilnehmenden Kinder bis zum Alter von fünf Jahren weiter begleiten. So wollen die Forscher herausfinden, ob Kinder, die in der Studie mitmachen, später seltener Allergien bekommen. Außerdem wollen sie herausfinden, ob die Kinder, die in der Studie mitmachen, gesünder sind. Die Fragen und die Planung der Studie basierten auf den Ergebnissen der früheren TIGGA-Studie. Das war eine Studie in Australien mit 200 Babys, die mit Säuglingsnahrung ernährt wurden. In der Studie wurde geschaut, wie schnell die Babys wachsen und wie gut sie versorgt sind. Dafür wurden auch Ziegenmilch- und Kuhmilchprodukte untersucht. Dabei bekamen Babys, die mit Ziegenvollmilch ernährt wurden, seltener Ekzeme, was aber wegen der kleinen Zahl eingeschlossener Kinder kein gesicherter, statistisch signifikanter Befund war.
Referenzen:
1) Veit Grote, Laura Schlosser, Cristina Campoy, Elena Crehuá-Gaudiza, Hans Demmelmair, Markus J. Ege, Joaquin Escribano, Rafael Galera-Martínez, José Antonio García-Santos, Dariusz Gruszfeld, Kathrin Guerlich, Cristina Guillén-Sebastián, Uschi Handel, , Małgorzata Jamka, Elzbieta Jarocka-Cyrta, Janusz Książyk, Artur Mazur, Ester Parada-Ricart, Isidro Robredo-García, Gerardo Rodríguez, Bartosz Romańczuk, Miguel Saenz de Pipaon, Marta Tejón-Fernández, Jarosław Walkowiak, Elisabeth Weichselbaum, Ariadna Witte, Berthold Koletzko. Whole Goat Milk versus Cow Milk Formula and Atopic Dermatitis in Infants: A Randomized Clinical Trial. Clinical Nutrition 2026. https://www.clinicalnutritionjournal.com/article/S0261-5614(26)00134-2/abstract
2) Bieber T. (2008). Mechanisms of disease: Atopic dermatitis. Review Article. N Engl J Med, 358(14),1483-1494.
3) Augustin M, Misery L, von Kobyletzki L, Armario-Hita JC, et al. (2022). Unveiling the true costs and societal impacts of moderate-to-severe atopic dermatitis in Europe. J Eur Acad Dermatol Venereol, 36 (Suppl 7), 3-16.
4) Zhou, S. J., Sullivan, T., Gibson, R. A., Lönnerdal, B., Prosser, C. G., Lowry, D. J., & Makrides, M. (2014). Nutritional adequacy of goat milk infant formulas for term infants: a double-blind randomised controlled trial. The British journal of nutrition, 111(9), 1641–1651. https://doi.org/10.1017/S0007114513004212.
Kontakt
Prof. Dr. med. Koletzko , Berthold
Kinderklinik und Kinderpoliklinik, Dr. von Haunersches Kinderspital, LMU Klinikum München-Campus Innenstadt