Herz-für-Herz-Empfang im Alten Rathaus: München feiert Menschen mit neuem Herzen
Das Herztransplantationsprogramm des LMU Klinikums blickt auf eine über 50-jährige Tradition zurück. Bereits mehr als 1.500 Patientinnen und Patienten erhielten hier ein neues Herz. 121 von ihnen, im Alter zwischen zwölf und 86 Jahren, nahmen am Empfang im Alten Rathaus teil. „Es passt zur Weltstadt mit Herz und zur Hauptstadt der Medizin, dass wir diese Menschen heute ehren dürfen“, sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter. Er erinnerte an seine frühe Faszination für die Herztransplantation, „als Christiaan Barnard in Südafrika das erste menschliche Herz transplantierte“. Ein besonderes Augenmerk richtete Reiter auf Prof. Bruno Reichart, Ehrenbürger der Stadt München und früherer Direktor der Herzchirurgischen Klinik am LMU Klinikum, „dessen Arbeit die Grundlagen für den heutigen Fortschritt gelegt hat“.
Medizinische Meilensteine und Teamgeist
Reicharts Nachfolger Prof. Christian Hagl zeichnete in seinem Vortrag die Meilensteine der Transplantationsmedizin nach: „Die erste Herztransplantation fand 1969 am LMU Klinikum statt, 1981 gelang am Deutschen Herzzentrum der medizinische Durchbruch – der Patient überlebte sieben Jahre. Nur wenige Monate danach folgte die nächste Herzverpflanzung, diesmal in Großhadern und schenkte dem Patienten sogar 23 weitere Lebensjahre. 1997 führten wir am LMU Klinikum die erste Herz-Lungen-Leber-Transplantation Europas durch.“ Heute engagieren sich das LMU Klinikum und das Deutsche Herzzentrum München im Europäischen Kinderherzzentrum gemeinsam für herzkranke Kinder. „Unsere Patientinnen und Patienten sind Teil unserer Familie“, so Hagl, „und sie werden auf ihrem oft langen Weg von einer herausragenden und empathischen Pflege und Physiotherapie begleitet, deren Einsatz nicht hoch genug geschätzt werden kann.“ Und er wies darauf hin, dass man auch die Spender und deren Familien für deren unschätzbares Geschenk einer zweiten Lebenschance nie vergessen dürfe.
Bildergalerie des Abends
Engagement und Dankbarkeit
Für Prof. Erich Lejeune, Gründer der Herz für Herz Stiftung, sind die Transplantierten selbst die besten Botschafter: „Sie zeigen mit ihrer Lebensenergie, was möglich ist.“ Die Stiftung, vertreten durch Erich und Irène Lejeune, ermöglichte durch eine Spende von 25.000 Euro an die Herzchirurgische Klinik auch den Empfang mit Musik und vielen Begegnungen beim Buffet. Prof. Markus M. Lerch, Ärztlicher Direktor des LMU Klinikums und Moderator des Abends, betonte: „Hinter jeder Transplantation steht ein Schicksal voller Hoffnung, Mut und beeindruckender Lebensenergie.“ Viele der Betroffenen führen heute ein normales Leben – darunter Dr. Bernd Ulrich (86 Jahre), der seit 43 Jahren mit einem Spenderherz lebt – so lange wie kein anderer weltweit
Appell für mehr Organspenden
Trotz dieser Erfolgsgeschichten bleibe der Organmangel in Deutschland eine große Herausforderung. „Wir brauchen dringend strukturelle Reformen und ein Umdenken in Politik und Gesellschaft“, so Lerch.
Auch Betroffene wünschten sich Veränderungen. Thomas Krauß, der seit sieben Jahren mit einem Kunstherz lebt und auf eine Transplantation wartet, sprach sich sowohl für die Widerspruchslösung als auch für eine Erweiterung der Spenderkriterien aus. Als Dank an die vielen Helfer während seiner Zeit an der Klinik übergab er stellvertretend für weitere Patienten eine Holzskulptur in Herzform an die Herzchirurgische Klinik.
Zur nachhaltigen Motivation der Patientinnen und Patienten trug Extrembergsteiger Thomas Huber bei. In seinem eindrucksvollen Vortrag über die Besteigung der höchsten Berge in aller Welt zog er den Vergleich mit der Bewältigung einer schweren Herzerkrankung oder einer Herz-Transplantation. „So unvorstellbar das zu Beginn immer ist, es beginnt alles mit dem ersten Schritt“, so Huber.
Für Unterhaltung und besinnliche Momente sorgten einerseits die Geigerin Beatrix Löw-Beer mit drei temperamentvollen Stücken und andererseits Schauspielerin Monika Baumgartner mit zwei einfühlsamen Lesungen. Der Abend im Alten Rathaus wurde so zu einem starken Zeichen für Lebensmut, Solidarität und eine zukunftsorientierte Vergabe lebensrettender Organe – und zu einem Ort der Begegnung, der zeigt, was es heißt, miteinander und füreinander zu leben.
Die Herzchirurgische Klinik des LMU Klinikums
Die Herzchirurgie des LMU Klinikums ist als eigenständiges Fach der Chirurgie an den Standorten in Großhadern und in der Herzklinik am Augustinum beheimatet und führt derzeit über 3.000 Operationen im Jahr durch. An beiden Standorten arbeiten hochqualifizierte Teams aus Ärzten, Pflegenden und weiteren Mitarbeitenden, um eine optimalen Behandlung der Patienten zu ermöglichen. Die enge Kooperation mit anderen Fachdisziplinen ermöglicht flexibel und ganzheitlich auch über die Fachgrenze hinaus eine individuelle Therapie. Neben der Patientenversorgung mit dem größten Herztransplantationsprogramm in Süddeutschland fokussiert sich die Herzchirurgie mit ihren 155 Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern auf die wissenschaftliche Grundlagenforschung, die studentische Lehre und die Ausbildung des medizinischen Nachwuchses.
Prof. Dr. med. Christian Hagl
Direktor der Klinik für Herzchirurgie